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28.03.2005
 
Schwarzweißkäppchen und die Väter
War das nun ein Themen- oder Märchenabend, der von Arte unter dem Titel "wenn Väter sich rächen" am 22.03.05 gesendet wurde?  In zwei Reportagen und einer Studiodiskussion verkürzte der Kultursender den Blick auf  Trennungsväter als potentielle Gewalttäter, die sich als "selbsternannte Männerrechtler" in Vätergruppen organisieren, um sich durch den Zugriff auf ihre Kinder an den Ex-Partnerinnen zu rächen. Eine moderne Version von "Rotkäppchen und der Wolf" brachte einen fragwürdigen Farbtupfer in dieses schwarz-weiß Klischee und gab den Zuschauern Zeit zum Luftholen, denn Werbung gibt es bei Arte nicht. Leider.
 
These, Antithese und Synthese - solider Journalismus wurde über Bord geworfen. Was die These stärkt, wurde gezeigt; was sie schwächt, wurde weggelassen. Subjektive Eindrücke  wurden aus dem Off objektivierend vermittelt. Interviews per Schnitttechnik seziert und neu arrangiert. Wirkungsvoll, wie die naive Kritik von Studiogast  Dr. Susanne Heynen zeigte: Die Vätervertreter hätten nichts über die Beziehung zu ihren Kinder gesagt. Wurde danach überhaupt gefragt?  Warum wurden die Antworten nicht gezeigt?
 
Was da über die Mattscheibe flimmerte, war nicht Arte, sondern Michael Moore auf Europäisch. Doch während Moore's "Fahrenheit 9/11" aus Sicht des Alten Europas wenigstens in die richtige Richtung ging, musste es gerade älteren Europäern übel aufstoßen, dass die Redakteure den Vätern entweder gar keine oder keine positiven Gefühle zugestehen wollten.  Ausgerechnet der deutsch-französische Kultursender steht damit in einer Tradition, die Männern unter dem Motto "ein  deutscher Junge weint nicht" Gefühle aberzog und  zwei Weltkriege führbar machte.
 
Wie soll sie aussehen, die Rolle der Väter? Diese Grundsatzdiskussion kommt nicht in Gang, sondern zerbröselt medial zwischen  Trennungsdramen, Vaterschaftstests und der Armut Alleinerziehender. Hier könnte Arte einen wichtigen Impuls geben: "Die Rolle der Väter in einer modernen Gesellschaft". Ein Themenabend, der diese Bezeichnung  wirklich  verdient hätte.
R. Sonnenberger