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War
das nun ein Themen- oder Märchenabend, der von Arte unter dem Titel
"wenn Väter sich rächen" am 22.03.05 gesendet wurde? In
zwei Reportagen und einer Studiodiskussion verkürzte der Kultursender
den Blick auf Trennungsväter als potentielle Gewalttäter,
die sich als "selbsternannte Männerrechtler" in Vätergruppen
organisieren, um sich durch den Zugriff auf ihre Kinder an den Ex-Partnerinnen
zu rächen. Eine moderne Version von "Rotkäppchen und der Wolf"
brachte einen fragwürdigen Farbtupfer in dieses schwarz-weiß
Klischee und gab den Zuschauern Zeit zum Luftholen, denn Werbung gibt es
bei Arte nicht. Leider.
These,
Antithese und Synthese - solider Journalismus wurde über Bord geworfen.
Was die These stärkt, wurde gezeigt; was sie schwächt, wurde
weggelassen. Subjektive Eindrücke wurden aus dem Off objektivierend
vermittelt. Interviews per Schnitttechnik seziert und neu arrangiert. Wirkungsvoll,
wie die naive Kritik von Studiogast Dr. Susanne Heynen zeigte: Die
Vätervertreter hätten nichts über die Beziehung zu ihren
Kinder gesagt. Wurde danach überhaupt gefragt? Warum wurden
die Antworten nicht gezeigt?
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Was
da über die Mattscheibe flimmerte, war nicht Arte, sondern Michael
Moore auf Europäisch. Doch während Moore's "Fahrenheit 9/11"
aus Sicht des Alten Europas wenigstens in die richtige Richtung ging, musste
es gerade älteren Europäern übel aufstoßen, dass die
Redakteure den Vätern entweder gar keine oder keine positiven Gefühle
zugestehen wollten. Ausgerechnet der deutsch-französische Kultursender
steht damit in einer Tradition, die Männern unter dem Motto "ein
deutscher Junge weint nicht" Gefühle aberzog und zwei Weltkriege
führbar machte.
Wie
soll sie aussehen, die Rolle der Väter? Diese Grundsatzdiskussion
kommt nicht in Gang, sondern zerbröselt medial zwischen Trennungsdramen,
Vaterschaftstests und der Armut Alleinerziehender. Hier könnte Arte
einen wichtigen Impuls geben: "Die Rolle der Väter in einer modernen
Gesellschaft". Ein Themenabend, der diese Bezeichnung wirklich
verdient hätte.
R. Sonnenberger
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