Zur Hautpseite
Artikel als pdf-Datei
Ihr Kommentar
20.05.2005
 
 
Die Schwiegermutter der Nation
Renate Schmidt hat es nicht leicht: Als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist sie für vier gesellschaftliche Gruppen zuständig und muss teils gegensätzliche Interessen von Frauen und Müttern mit denen von Vätern ausgleichen. Gelingen soll das durch die Einführung einer neuen Gleichstellungspolitik, "Gender Mainstreaming"  genannt, die  laut Familienministerium  "... bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein..." berücksichtigt.

Ein guter Gedanke. Doch Renate Schmidt, die "Deutschland zum familienfreundlichsten Land Europas" machen will, setzt ihn nicht konsequent um: Ob sie Väter in Interviews zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie vergisst, Vaterschaftests durch Freiheitsstrafen unterbinden will oder eine "Pilotstudie" über männliche Gewaltopfer nicht repräsentativ durchführen lässt: Die Familienministerin hat Väter nicht wirklich auf ihrem Radarschirm. Mit dem angekündigten Elterngeld will sie
zwar die Babybetreuung durch Väter fördern, doch danach endet ihre Väterpolitik in einem konzeptionslosen Nichts.

Stattdessen wird uns derzeit mit "1,34 Geburten pro Frau" eingehämmert,

 
dass Kinder reine Frauensache seien.Vor diesem archaischen Hintergrund verkauft Renate Schmidt Frauenförderung als moderne Familienpolitik. Doch gerade weil Frauen zunehmend berufstätig sein wollen, müssen auch Väter gefördert werden, damit sie traditionell mütterlichen Aufgaben übernehmen. Beispielsweise könnte die Hälfte aller Arbeitstage ein "Dad-End" haben: Ein verbindlich fixiertes Arbeitsende ohne Überstunden. Dann holt der Papa seine Kinder aus der Kita oder dem Hort ab und die Mama arbeitet länger.

Ob gewerkschaftlicher Druck oder individuelle Absprachen zur Vereinbarkeit von Vaterschaft und Beruf führen: In jedem Fall brauchen Väter Schutz - erst recht durch das Antidiskriminierungsgesetz der Fami- lienministerin. Doch weder gründliche Leser noch Textverarbeitungs- programme können den "Vater" in Renate Schmidts Gesetzentwurf entdecken, während die "Mutterschaft" explizit geschützt wird.

Wenn es überhaupt jemand schafft, die Absurdität ihres diskriminierenden Antidiskriminierungsgesetzes noch zu überbieten,dann Renate Schmidt selbst, indem sie den Grundgedanken des Gender Mainstreamings gleich bei seiner Einführung untergräbt.
R. Sonnenberger